Das obskure Vergnügen des Friedhofsbesuchs

Wir besuchen Friedhöfe als materialisierte Orte für Trauer und Erinnerung – für das Zwiegespräch mit unseren lieben oder weniger lieben Verstorbenen, zum Ausleben der Trauer. Dabei sind viele Friedhöfe ästhetisch eine Zumutung – unzählige, immer gleiche pompöse und doch langweilige Einheitsgrabsteine, streng rechtwinklig verlaufende Wege, die der Wirtschaftlichkeit des Friedhofsbetriebs gehorchen, kaum Bäume und schließlich Grabbepflanzungen der allerschlimmsten Sorte. Doch manchmal sind Friedhöfe auch wundervolle Parkanlagen und dann möglicherweise die letzten kontemplativen Orte der Besinnung und Pause. Diesem Ideal entsprechen vor allem historische Friedhöfe. Als Gartenkunstwerke zeichnen sie sich nicht selten durch wertvollen Baumbestand aus, haben kunstvolle Grabsteine oder Gebäude und Einfriedungsmauern. Als Parkanlagen sind sie bedeutsamer Lebensraum für vielerlei Tiere. Friedhöfe sind Treffpunkte und Begegnungsorte, von und zwischen den Zurückgebliebenen, ein Stück Sozialraum also. Manche Friedhöfe, insbesondere die mit Ruhestätten berühmter Menschen, sind Pilgerstätten, man denke an den Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin oder den Friedhof Montparnasse in Paris. Doch einzigartige und manchmal kuriose oder traurige Geschichten können eigentlich alle Friedhöfe erzählen. Und so erklärt sich vielleicht das seltsame Vergnügungen, Friedhöfe zu besuchen und ihre Geschichten zu entdecken.

Zu den schönsten Friedhöfen in Baden-Württemberg darf der Waldfriedhof der Illenau in Achern gezählt werden. Die Illenau, 1842 gegründet, war im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine der fortschrittlichsten Heil- und Pflegeanstalten für geisteskranke Menschen, berühmt über die Grenzen des Großherzogtums Baden hinaus. Rund 400 Patienten und genauso viele Ärzte, Pfleger und Angestellte lebten auf dem Areal der Illenau mit seinen weitläufigen Gebäudekomplexen, Werkstätten, Äckern, Wiesen sowie Nutz- und Ziergärten. Der Gebäudekomplex ist ein Meisterstück spätklassizistischer Baukunst – nicht Schloss und nicht Kaserne, konzipiert vom visionären und eigenwilligen Klinikgründer Christian Friedrich Wilhelm Roller, der in der Illenau seine Erfahrungen und Forschungsergebnisse zu zeitgemäßer, menschlicher Behandlung von Geisteskranken umsetzte. Zum Konzept der Klinik gehörte Beschäftigung, denn „wenn der Geist nicht beschäftigt wird, beginnt er zu wandern“. Gearbeitet wurde in den Werkstätten und Gärten oder auf den Äckern – die Klinik war Selbstversorger.

Viele der Patienten verbrachten hier lange Zeit, deshalb brauchte es einen eigenen Friedhof – als streitbarer und sehr wahrscheinlich sturköpfiger Generalist hatte Roller auch für den Friedhof seine höchst eigenen Vorstellungen, die er jedoch immer zum Wohle der Patienten einsetzte. Der Friedhof wurde konfessionsübergreifend, katholisch neben evangelisch, tot ist tot. Und er war letzte Ruhestätte für die gesamte Illenaufamilie – denn als solche verstanden sich Patienten, Ärzte, Pfleger und Pflegerinnen, Geistliche, Verwalter, Handwerker und Ökonomen, die denn auch einträchtig auf dem Friedhof nebeneinander ruhen.

Roller nahm auf die Gestaltung des Friedhofs großen Einfluss. Der Waldfriedhof wurde nicht streng geradlinig mit rechtwinkligen Wegen angelegt, sondern als romantische Gartenanlage im Stile eines englischen Landschaftsgartens. 1859 wurde er eröffnet mit geschwungenen und terrassierten Wegen – welche eine sorgsame Planung an jeder Stelle erahnen lassen – eine Anmutung natürlicher Waldlandschaft mit vielen exotischen Bäumen, die Roller eigens in den Schlossgärten von Karlsruhe und Schwetzingen beschaffte. Viele der Patienten entstammten begüterten und berühmten Familien, sie hinterließen ihr Vermögen Stiftungen, die sich um den Fortbestand der Illenau kümmerten. Aus diesen Mitteln wurden nachfolgende Friedhofserweiterungen realisiert, aus Stiftungsmitteln wurde und wird der Friedhof unterhalten.

Die Gräber sind schlicht gehalten und waren eine der wenigen Angelegenheiten, wo sich Roller nicht durchsetzen konnte – er wollte Holzkreuze, doch die Patienten setzten Kreuze aus Metall und steinerne Grabmale durch. Es finden sich neugotische Grabsteine aus der Zeit des Historismus, grazile Jugendstilplastiken, grobe Steinblöcke und einige figürliche Gestaltungen – dennoch insgesamt sehr schlicht. Diese Schlichtheit macht heute den besonderen Reiz des Friedhofs aus.

Die Geschichte der Illenau ist auf das Engste verknüpft mit dem Badischen Großherzogtum, der älteste Sohn von Großherzog Leopold, Ludwig II. – ein lebenslustiger Bursche, bis er an einer unheilbar am Geist erkrankte – war bis zu seinem frühen Tod Patient der Illenau. Doch auch darüber hinaus gab es innige Verflechtungen: Großherzogin Luise (eine Tochter des preußischen Königs und späteren Kaisers Wilhelm I.) und selbst die Kaiserin Augusta pflegten langjährigen Kontakt zu den Klinikdirektoren und Ärzten und förderten deren Entwicklung. Die Illenau übte große Anziehung auf Ärzte aus, die hier lebten und forschten und mit ihrer Arbeit zur Entwicklung eines modernen Psychatriewesens beitrugen.

Fast 2.500 Menschen fanden auf dem Friedhof ihre Ruhe. Die Gräber erzählen Geschichten. Beispielsweise von der kleinen Eugenie, die mit ihrem Stuhl kippelte, umkippte und sich den Schädel brach. Ihr Vater, Patient der Illenau, wünschte sich den Waldfriedhof als Ruhestätte. Ein wundervolles, figürliches Kunstwerk erinnert an die tragische Geschichte.

Klinik und Friedhof erlebten schwere Zeiten. In der Zeit des Ersten Weltkrieges stieg der Krankenstand auf über 700 Patienten. Kriegszitterer, Traumatisierte aus Schlachten und tödlichem Artilleriedonner, fanden hier einen Platz, sicher zwar, doch vom Hunger bedroht. Die Zuteilungen an psychiatrische Einrichtungen wurden knapp bemessen – die Todeszahlen dieser Zeit sind ein beredtes Zeugnis für den unbarmherzigen Umgang mit unnützen Essern. 1940 wurde die Klinik aufgelöst. Der Klinikdirektor kämpfte gegen die drohende Euthanasierung an, dennoch wurden viele der Patienten in Grafeneck ermordet. Anschließend wurde die Illenau eine nationalpolitische Erziehungsanstalt für Südtiroler Mädchen, die großdeutsch werden sollten. Nach Kriegsende wurden ehemalige Zwangsarbeiter untergebracht. Es folgte die Zeit der Französischen Besatzungstruppen, in der die Illenau für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Der Friedhof, im Unterschied zu den Gebäuden immer zugänglich, wurde 1971 Gartendenkmal. Seine schwerste Zerstörung erlebte er jedoch nicht durch den Mensch sondern durch eine Naturkatastrophe. 1999 verwüstete der Orkan Lothar den Friedhof. Vor allem der exotische Baumbestand wurde dabei unwiderbringlich zerstört. Nur langsam erholte sich der Park hiervon wieder.

1999 kaufte die Stadt Achern das Gelände der Illenau, sanierte und restaurierte behutsam und feinfühlig Gebäude und Außenanlagen. Das Rathaus fand hier einen neuen Platz, Landratsamt, Behörden und Firmen zogen ein, dazu kamen Wohnungen und Werkstätten. Entstanden ist ein wundervoller Ort, den man im beschaulichen und ansonsten absolut durchschnittlichen Achern nicht erwarten würde. Für einen Besuch des Friedhofs empfiehlt sich eine der kenntnisreichen Führungen, die von der Achern Tourist Information angeboten werden. Im Anschluss lohnt sich der kurze Spaziergang zur Illenau hinunter, hinein in das Museum, welches einen aufschlussreichen Blick in vergangenen Zeiten ohne Krankenversicherungen ermöglicht. Zum Abschluss lässt sich bei Kaffee und leckerem Kuchen (auch vegan) im integrativ betriebenen Arkadencafè in den schön restaurierten Räumlichkeiten der Illenau vielleicht darüber sinnieren, wie wir heute mit Krankheit und Tod umgehen und wo wir begraben sein wollen. Der Waldfriedhof der Illenau wäre nicht der schlechteste Platz. Leider wird er nicht mehr genutzt.

Die Kunst, in der Hängematte nicht vom Apfel erschlagen zu werden

Mit jedem Jahr wird es mehr: die rastlose Schnelligkeit, die hektische und ergebnisfreie Betriebsamkeit, der tägliche, ärgerliche Stau, der Zeit stiehlt und trotzdem nicht dazu führt, über Alternativen nachzudenken. Dazu die Gleichzeitigkeit des Tuns – Essen, Trinken, Denken, Musikhören, Lesen, Unterhalten, Telefonieren, Fühlen (?). Immer mehr in der gleichen Zeit, die dennoch nicht mehr wird. Mit jedem Jahr steigt die Angst vor Veränderung, während sich um uns herum gerade alles rasend schnell verändert. Oder die Angst vor Entscheidungen, als gäbe es überhaupt noch irgendetwas zu entscheiden. Die Angst vor Fehlern, als wären Fehler nicht einer der großen Antriebe für Entwicklungen. Angst vor Fragen, auf die es keine schnelle Antwort gibt. Oder die Beschränkung durch permanente Erreichbarkeit über Email, Smartphone, WhatsApp, Facebook und Co – und der Zwang der möglichst schnellen Reaktion darauf. Das Bedürfnis, noch das kleinste Erlebnis auf Fotos festzuhalten und in die Welt zu posten, um so von einem scheinbar erfüllten, anspruchsvollen und leichten Leben zu zeugen, dabei wird nur die Menge des Datenmülls immer größer. Der Stress vom Lärm – auf den Straßen, in der Luft, um uns herum und in uns drin. Lärm von vielen Leer- und Füllwörtern, Lärm auch in der Wortlosigkeit, als wäre Schweigen das erste Zeichen eines krachenden Weltuntergangs. Dabei geht die Welt spätestens jeden Morgen im Büro aufs Neue unter, ebenso vor Weihnachten und vor der Sommerpause. Mit jedem Jahr wird das mehr.

Nahezu das einzige Kontrastprogramm zu all dem ist die Urlaubszeit. Wobei es manchmal den Anschein hat, als würden nur weite und spektakuläre Reisen und das Reden und Posten darüber Befriedigung verschaffen. Und wie langweilig klingt denn auch Urlaub auf Balkonien oder Terrassien?

Ich bin gern unterwegs, im Grunde genommen das gesamte Jahr. Deshalb ist mir das Reisen in die Fremde auch manchmal eine Last, die mich erschöpft und vergessen lässt, dass Leben vor allem im Alltäglichen stattfindet. Ein Plädoyer für das HEIMBLEIBEN also.

Fast das Schönste am Heimbleiben ist, dass es mit Ferienbeginn schlagartig leer wird. Die Städte leeren sich (fast), die Dörfer auch. Kein morgendliches Rasen von eiligen Pendlern in der 30er Zone, keine Hupkonzerte an der Ampel, kein Drängeln beim Bäcker. Der Samstag im Dorf, in normalen Zeiten der lauteste Tag der Woche, ruht still – ohne das Geknatter der Rasenmäher und das geschäftige Hin und Her zwischen Grünschnittplatz und Grundstück. Die Restaurants sind leer oder haben geschlossen wegen Urlaub. Pizza gibt es daheim, schmeckt eh besser. Der Wochenmarkt mit seinen bunten Marktständen trödelt nach der Geschäftigkeit der letzten Wochen erschöpft vor sich hin. Der See erholt sich von den Invasionen der Badegäste an den letzten Julitagen. Kein Kindergeschrei auf der Liegewiese, das morgendliche Türkisgrün des Wassers muss nur noch mit den wenigen emsigen Schwimmerinnen und Schwimmern geteilt werden. Die quitschbunten Luftmatratzen und Badetiere aus billigem, stinkendem Kunststoff schwimmen jetzt im Mittelmeer. Einzig die Autobahn hat Dauerstau.

Schön am Heimbleiben ist das Wiederfinden der Vergänglichkeit, in der gleichzeitig die Zeit stehen bleibt. Altbekannte Lieblingsorte, immer gleich und jeden Tag anders. Das Spätsommerlicht, welches Waldwege und Bäche mit seinem spinnenumwobenen Licht verzaubert. Das belanglose Nachmittagsgespräch über den Gartenzaun hinweg, der Spaziergang auf staubigen Feldwegen und das nasse Gras am Morgen, dass den Herbst ankündigt. Die Jungschwalben, die sich nachmittags auf den Dachziegeln sonnen und dann mit kunstvollem Flügelschlag im Pulk Schnaken jagen. Das unermüdliche Klock-Klock vom Buntspecht. Der Geruch vollreifen und bereits fauligen Obstes, das dumpfe Geräusch fallender Äpfel. Der Spätsommerwind, der die ersten Nüsse vom Walnussbaum weht. Der Duft von Marmelade und süßem, klebrigem Saft, das Goldgelb frisch ausgegrabener Kartoffeln und die unvergleichliche Süße reifer Tomaten – direkt vom Strauch genascht. Der wunderbare Überdruss ob der Berge Äpfel, Zwetschgen und Sommerpfirsiche. Dazu Mostbirnen, für die es kaum noch Verwendung gibt, seit das Mosttrinken aus der Mode gekommen ist. Die angenehme Müdigkeit, wenn das Tagwerk vollbracht ist.

Langsamkeit und Gleichmut für eine Langeweile. Ein bisschen ist es so wie in den endlos langen Sommern der Kindheit. Es schafft Platz im Innern. Platzmachen für Leib und Seele.  Keine Zeitung und keine Nachrichten stören, in diesen Momenten lässt sich alles ausblenden: Flüchtlinge, Bienensterben, Klimawandel, Abgasbetrug. Die Welt dreht sich ein paar Wochen ohne uns.

Die einzige wirkliche Herausforderung in diesem Paradies ist die, in der Hängematte nicht von einem Apfel erschlagen zu werden.

Park-Häuser für Menschen oder der vertikale Park

Wer gelungene urbane Freiräume und Parks erleben will, der/die muss in die Schweiz fahren. Auch wenn ich mir dazu immer wieder anhören muss: “ja, aber die haben halt Geld”. Das stimmt, doch bahnbrechende Konzepte haben nicht nur etwas mit Geld zu tun, sondern vor allem mit vorurteilsfreien Ideen und Mut.

Ein Park, dessen Gestaltung sicher einiges an Mut erfordert hat (selbst in der Schweiz), ist der MFO-Park in Zürich. Seine Gestaltung ist auch ein Beitrag zur Debatte “urbane Wand und Dachbegrünung/Stadt im Zeichen des Klimawandels”, die hier in einer sehr speziellen und überraschenden Form auf einen Park übertragen wurde.

Kurz beschrieben ist der MFO-Park ein grüner Parcour auf dem Grundriss einer alten Industriehalle, der sich über eine Gerüstkonstruktion vertikal in die Höhe erhebt. Ein “Park-Haus” sozusagen, nur für Menschen und Tiere. Fast vollständig berankt von Wildem Wein, Glyzinien, Knöterisch und Pfeifenwinden.

Mit einer Fläche von 105 x 55 m ist der Park eigentlich nur ein kleiner Taschenpark, doch dafür ist er so hoch wie die Nachbarbebauung, 4 bis 5 Geschosse. Park hoch drei. Eine doppelwandige Stahlkonstruktion trägt die Rankhilfen und beherbergt Treppenläufe, Wandelgänge in verschiedenen Höhen und Loggien.

Tritt man hinein in das Innere, wird man empfangen von einer fast märchenhaften Stimmung, aller Krach und alle Geschäftigkeit bleibt zurück, Vögel zwitschern, Sonnenstrahlen schieben sich durch die Blätterhülle, die bunten (und betretbaren) Glasscherben auf dem Boden blinken und blitzen. Der kleine Brunnen verzaubert, als käme gleich der Froschkönig aus dem Wasser (und auch wenn natürlich alle wissen, dass das Märchen vom Froschkönig ein gigantischer Schwindel ist … vielleicht, wenn man nur lang genug wartet). Die Treppen sind steil und nichts für Schwindelanfällige, aber es zieht einen unweigerlich nach oben. Der Aufstieg wird belohnt durch ein spektakuläres Sonnendeck mit Ausblick über die Dächer Zürichs.

Der MFO-Park wurde nach der Maschinenfabrik Oelikon benannt. Er steht exmplarisch für die Entwicklung von Zürich Nord, den Wandel eines ehemaligen reinen Industrieviertels und Stadtentwicklung, die konsequent den Freiraum mitdenkt. Der Entwurf von Burckhardt + Partner und Raderschall Landschaftsarchitekten AG ging aus einem Wettbewerb hervor und wurde 2002 realisiert. Es ist ein kontemplativer Park, für die Mittagspause, die stille Stunde, das Liebespaar, das Lesevergnügen auf dem Dach, vielleicht für Yoga oder Taijiquan, vielleicht für kleines Theater oder Stummfilmklassiker. Doch das braucht es auch in unserer lauten, schnellen Welt. Keine Ahnung, was das Ganze gekostet hat. Doch eine geniale Idee und gelungene Umsetzung, die Nachahmung sucht in Zeiten des Klimawandels und städtischer Luftverschmutzung.

Reutlingen und die Brunnen, zu schön um wahr zu sein.

In etwas geänderter Form erschien dieser Beitrag dieser Tage im rv-bildertanz.blogspot.com/

Hier noch mal der Fokus ganz speziell auf die Brunnen Reutlingens gerichtet, die tatsächlich etwas Besonderes, Bemerkenswertes und Beschreibenswertes sind.

Reutlingen in Baden-Württemberg! Eine mittelgroße Stadt im Südwesten, wer kennt die schon? (Pardon, Reutlingen ist natürlich eine Großstadt). Dennoch haftet der Stadt etwas Kleinstädtisches an. Und wo immer man hinkommt, muss man erklären, wo Reutlingen liegt: südlich von Stuttgart – naja, neben Tübingen – geht gar nicht bei all der Konkurrenz zwischen beiden Städten, in der Tübingen immer strahlender scheint.

Was macht also eine Stadt, die aus der Mittelmäßigkeit der Wahrnehmung hinauswill? Sie kreiert eine MARKE. Jüngst kündigte die Oberbürgermeisterin einen Markenbildungsprozess an, damit die Stadt endlich als das wahrgenommen wird, was sie ist: strahlend, kulturell herausragend, mit einer gefühlt hohen Baukultur, sozialen Segnungen, einer prosperierenden Wirtschaft, die aber dennoch zu wenig Steuern in die Stadtkasse spülen, einer großen Tradition als Reichsstadt. Und trotzdem ist Reutlingen offenbar weitgehend unbekannt.

Nun ist das mit Markenbildungsprozessen so eine Sache, Kopfgeburten meist und wenn sie als Top-Down-Prozess durchgeführt werden, nicht selten zum Scheitern verurteilt oder doch mit erheblichen Gefahren verbunden, wenn irgendwann das, was die Marke propagiert, von den Bürgerinnen und Bürgern tatsächlich eingefordert wird. Marken haben es an sich, dass sie beliebig sind, Slogan, die auch nach hinten losgehen können. Man denke an Karlsruhe: VIEL VOR VIEL DAHINTER oder lieber VIEL DAVOR UND NIX DAHINTER, wie es im Volksmund gern heißt? Meist haben die Städte ein starkes Bedürfnis nach einer Marke, die sich eben nicht durch irgendetwas Exklusives, Besonderes auszeichnen (was auf Karlsruhe gar nicht zutrifft, doch wer würde schon Kassel kennen, gäbe es da nicht die DOCUMENTA)

Dennoch hat jede Stadt Besonderheiten, die sie liebenswert machen, und die vor allem für die eigenen Bürgerinnen und Bürger wichtig sind. Oder auch die Region, aber eben nicht für ganz Deutschland, Europa oder die Welt. Und ist das wirklich wichtig? Bekannt sein in der ganzen Welt?

Für Reutlingen fallen mir einige Besonderheiten ein. Das prägende industrielle Erbe, welches bis zur Unkenntlichkeit verschwunden ist, als würde man sich dessen schämen. Die wundervollen Feste und Veranstaltungen wie Weindorf, Neigeschmeckt Markt und Garden Life, die auch nicht alle nur beliebt sind. Die fast vergessene große Tradition des pomologischen Institutes und seine Wiedergeburt im Streuobstparadies, in der Stadt leider bisher weitgehend unbeachtet. Das Biosphärengebiet, doch das ist ja die Schwäbische Alb und nicht die Stadt. Eine ganz nette Altstadt mit ein bisschen Kultur, auch wenn schon seit Jahren verzweifelt versucht wird, eine überregionale Kulturstadt zu werden, die Reutlingen bei aller Sympathie wohl (trotz der wundervollen Württemberger Philharmonie und einiger ganz netter Museen) nicht werden wird und vielleicht auch gar nicht muss.

Eine Besonderheit sind die Brunnen. Nur wenige Städte der Größe Reutlingens haben mehr davon. Die Nachbarstadt Tübingen (es lebe die permanente Konkurrenz) hat 42).

Dieses und letztes Jahr kamen zwei neue hinzu, konzipiert und geplant von der Autorin dieser Zeilen, die sich zu ihrer Brunnenliebhaberei gern öffentlich bekennt. Die Brunnen könnten also eine neue Ära im Umgang mit dem manchmal ungeliebten Thema eröffnen, weshalb sich ein wohlwollender Blick lohnt.

Fast 90 Brunnen schmücken Reutlingen, städtische und dörfliche, große und kleine, alte und ganz neue – mit unglaublichen Geschichten, die viel mit der Geschichte der Reichsstadt Reutlingen zu tun haben, geliebt von den Bürgerinnen und Bürgern, gern vergessen von den Stadtoberen – außer natürlich bei Einweihungen- trotz widriger finanzieller Bedingungen sorgsam gehegt von der städtischen Grünpflegeabteilung.

Da ist der Maximilianbrunnen auf dem Marktplatz, ein prachtvoller Renaissancebrunnen, 1570 zu Ehren des Kaisers Maximilian II. errichtet, um ihn zu bewegen, der Stadt die Zunftrechte zurückzugeben. Diese waren der widerspenstigen Stadt entzogen worden, die protestantisch bleiben wollte und sich den Rekatholisierungsversuchen erfolgreich zu Wehr setzte. Es ging um das Prinzip und der Preis war hoch, denn Zunftrechte waren seinerzeit die Basis für Wohlstand. Die Lehre daraus: Wie macht man sich die Mächtigen gefügig, denn der Plan ging auf. 1578 erhielt Reutlingen die für die Stadt so wichtigen Zunftrechte zurück.

Kaiser Maximilian Brunnen – schon immer trafen sich vor allem Frauen am Brunnen (Foto: Stadtarchiv Reutlingen)

Da ist der Kaiser Friedrichbrunnen, ebenfalls ein Renaissancebrunnen von 1561 mit einer streng dreinblickenden, abweisenden Figur, die an den Verleiher der reichsstädtischen Rechte im Jahr 1180 erinnert. Herrscher mussten noch nie freundlich sein, das ist heute ein bisschen anders.

Da ist der Lindenbrunnen, ein kunstvoller gotischer Dreipfeilerbrunnen, der einzige seiner Art, der sich nördlich der Alpen erhalten hat, 1544 errichtet, als das gotische Zeitalter schon lange überwunden und der Moderne der Renaissance gewichen schien. Doch man war in Reutlingen offenbar schon immer besonders traditionell.

Da ist der Brunnen im Volkspark, der erst 80 Jahre nach seiner Planung gebaut wurde – die Landesgartenschau machte es möglich. Vorher wollte man zwar mit einem spektakulären Entwurf groß hinaus, endete aber doch schwäbisch pietistisch beim Sparen, befördert durch schwere Zeiten.

Da ist der Gerberbrunnen, in einer Zeit entstanden, als Wichtigeres anstand als Brunnenbau, und der an die große städtische Tradition der Gerber und Färber erinnert und deshalb wohl auch wichtig für die Stadtgesellschaft war. Gerberbrunnen und Gartentorbrunnen dienten übrigens lange Zeit zum Gautschen, diesem feinen Ritus zum Ende der Lehrzeit, bei dem die frisch gebackenen Gesellen von ihren Unarten und Schandtaten freigesprochen werden. Eine Tradition, untergegangen mit den Berufen der Gerber, Färber und Buchdrucker. Schade eigentlich.

Gartentorbrunnen und das Gautschen der Buchdrucker (Foto: Stadtarchiv Reutlingen)

Da ist der Rathausbrunnen, eine prachtvolle Anlage der frühen 60er Jahre, zusammen mit dem Rathaus entstanden, der Stolz der Stadt. Heute ist der Glanz beider (Rathaus und Brunnen) verblichen und gebadet werden darf schon lange nicht mehr.

Rathausbrunnen – Baden verboten heißt es heute (Foto: Stadtarchiv Reutlingen)

Da waren die 1980er Jahre, eine große Zeit für die Reutlinger Brunnen. Der feinsinnige Baubürgermeister ließ viele neue errichten. Ein Beispiel dafür ist der Handwerkerbrunnen in der Altstadt. Brunnen waren wichtig für die Bürger, er hat es erkannt.

In den letzten Jahren zwei neue Anlagen, beide nicht unumstritten, aus Sicht der Autorin beide notwendig. Der im Bürgerpark steht für ein modernes, junges Reutlingen, und wer hätte je gedacht, dass BÜRGERPARK eben nicht nur ein Marketinggag ist, sondern sich mit Leben füllen lässt – trotz Störfeuer einiger verbissener Hygienefanatiker. Viel Arbeit war das, gelohnt hat es sich. Der Wasserlauf auf dem Weibermarkt verbindet die Geschichte der Stadtbäche mit neuen, zeitgemäßen Raumaneignungen. Man darf gespannt sein, was im Umfeld passiert.

Wasserspiel im Bürgerpark – Name ist nicht immer nur Schall und Rauch (Foto: Markus Niethammer)

Es gäbe noch mehr zu erzählen.

Natürlich kosten Brunnen Geld, doch sie sollten es uns wert sein. Brunnen sind eben viel mehr als nur ein bisschen schmückendes Beiwerk. Sie zeigen Stadtgeschichte im Großen und Kleinen, Geschichten von Macht und von der Rolle der Menschen in der Stadt, von Begegnungen, auch von Streit und Versöhnung. Sie sind Zeichen und wichtige Begegnungsorte für die Stadtgesellschaft, am Brunnen trifft man sich…das war schon immer so. Nicht zuletzt deshalb gibt es in einigen Städten Patenschaften und Vereine, die sich um das Wohlergehen der Brunnen einsetzen, auch finanziell.

An dieser Stelle könnte man enden, gäbe es da nicht den Listplatzbrunnen oder vielmehr das, was übrig ist von ihm.

Wie kaum ein anderer Zeichen für den großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufbruch nach Kriegsende. Viele Menschen erinnert gerade dieser Brunnen an ihre Kindheit und Jugend oder das Ankommen in der Heimat, wenn man aus dem Bahnhof trat. In einer Hauruckaktion zur Verschönerung des Bahnhofsplatzes 1954 errichtet. Mit dem typischen nierenförmigen Becken, mit Fontänen und nachts farbig illuminiert. Die Reutlinger pilgerten in Scharen hin. Dennoch war er in den letzten Jahren ungeliebtes Kind der Stadtplanung, die in einer sogenannten Rahmenplanung City Nord lieber freie Sichtachsen und steinerne Plätze propagiert. Für einen altbackenen Brunnen war da kein Platz mehr. Für die Autorin war der Beschluss zum Zuschütten des Brunnens einer der schlimmen Momente ihrer Reutlinger Berufszeit, sie hätte den Brunnen gern erhalten, doch das hätte eben Geld und politischen Willen erfordert. Der öffentliche Sturm der Entrüstung war denn aber doch überraschend, berechtigt war er und Ausdruck einer fatalen Fehleinschätzung der Bedeutung dieses Brunnens.

Listplatzbrunnen 2012 – schon stillgelegt, aber noch nicht zugeschüttet (Foto: Katrin Korth)

In der Zeit danach hat die Autorin einige Menschen angesprochen, durchaus respektable Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft, ob sie sich nicht eine gemeinsame Aktion zur Rettung des Brunnens vorstellen könnten. Leider erhielt sie nur Absagen.
So tröstet sie sich mit einem privaten Sponsoring in ihrer Geburtsstadt Magdeburg, mit dem der Betrieb eines feinen kleinen Brunnens gesichert wird. Und immer mal wieder sinniert sie darüber, was denn wäre, wenn sich für den Listplatz Sponsoren finden würden. Ganz im Sinne der “Köpfe für Reutlingen” und ihrem berühmten Zitat von Kennedy: fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, sondern fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt.

Die Autorin wäre bereit für ein TUN, wenn sich denn Mitstreiterinnen und Mitstreiter fänden.

Zum Wohnen braucht es Häuser, zum Leben Parks: der Park am Gleisdreieck in Berlin

Der Fokus der Stadtentwicklung liegt seit je her auf dem gebauten Raum. Das ist manchmal schade, denn das Lebenswerte einer Stadt wird viel stärker durch den Freiraum bestimmt. Vor allem Parks haben  ein hohes Identifikationspotenzial für die Stadtgesellschaft – nicht zuletzt angesichts vieler zunehmend gesichtsloser, immer gleicher Gebäude.

Häuser sind die Voraussetzung für Wohnen, zum Leben braucht es Parks.

Der Park am Gleisdreieck ist so ein identifikationsstiftender Park. Er ist dies wegen seiner faszinierenden Vorgeschichte, auch wegen seiner Gestaltung, vor allem aber wegen der Art und Weise seiner Nutzungsangebote.

Seine Lage im Stadtgrundriss: in den Schnittpunkten verschiedener Bahnlinien und auf der Fläche zweier ehemaliger Güterbahnhöfe, von denen aus ab dem 19. Jahrhundert die wachsende Stadtbevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgt werden konnte. Nirgendwo sonst kreuzen sich in Berlin so viele Wege aus Ost und West, Nord und Süd.

Seine Verortung im politischen Berlin: unmittelbar angrenzend an den das „großmannssüchtige“ Investorenallerlei Potsdamer Platz, zwischen Kreuzberg und Schöneberg im Spannungsfeld kiezorientierten Miteinanders und ausgeprägter Drogenszene.

Seine Geschichte: in den 1970er Jahren gehörten große Teile des Areals der Reichsbahn der DDR, eine vom sozialistischen Menschen befreite Enklave in der DDR, die dafür reichlich Raum bot für die alternative Szene (West)Berlins. In den frühen 1990er Jahren sollt hier eine Stadtautobahn gebaut werden, verhindert durch massive Proteste der Bürgerschaft. So blieb ein eingezäuntes Gelände, Spielball unterschiedlicher Interessen der Stadtpolitik. Die Sukzession tat ein Übriges und machte aus der Wildnis Wald. Ab Mitte der 1990er Jahre wurde die Fläche genutzt für die Baulogistik des Potsdamer Platzes.

Dem Potsdamer Platz in all seiner Investorenmittelmäßigkeit sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt, denn die notwendigen Ausgleichszahlungen für die baulichen Eingriffe waren Voraussetzung für den Bau des Parks.

Das Ergebnis: kein kuscheliger Park mit einem lieblich überformten Gelände oder einer strengen und letztlich langweiligen Rasterung, oder harmonisch geschwungenen Wegen, hübschen Mauern und Sitzstufen oder den immer gleichen Spielplätzen für Kinder. Sondern ein Park mit mehr als 30 Hektar Fläche, wo der Himmel weiter nicht sein könnte, der mehr als anderswo in Berlin tatsächlich großstädtisch ist. Ein Ort, der offen mit der Industrie- und Stadtgeschichte als Bahnareal umgeht; ein Ort, der immer noch an vielen Stellen nach Infrastruktur aussieht; ein Ort der laut ist und gleichzeitig still. Ein Ort, in dem scheinbar alle ihren Platz finden: Hundebesitzer, Jogger, Skater, Familien mit Kindern, Gartenliebhaber, Sozialromantiker, Spaziergänger und Menschen, für die der Park Treffpunkt und Ausgleich vom hektischen Großstadtleben ist, arme Menschen, reiche Menschen. Ein urbaner Begegnungsort im besten Sinne, in dem man stets aufpassen muss, dass man nicht von rasenden Radfahrern umgefahren wird.

Das Konzept: einfach und durchdacht. Mit zentralen Rasen- und Wiesenflächen, seitlichen Baumsäumen und üppigen Resten des früheren Bahngelände-Ruderalwaldes. Dazu schnurgerade, breite Wege, an den Eingangs- und Randbereichen Spielplätze, Sportanlagen, Skateplätze, Sitzdecks und Flächen für Aufenthalt und Bewegung – alles sehr nutzungsoffen. Kleingärten, die erhalten bleiben konnten, Gemeinschaftsgärten, gestaltet ungestaltete Naturerfahrungsräume für Kinder, an den Eingängen Kioske und WC`s. Der Park hat eine intensive Programmierung, das ist so gewollt und hierbei dennoch mehr viel mehr als die Summe von Einzelteilen. Alle Angebote fügen sich wie selbstverständlich in den Raum ein, ergänzen sich und bilden so ein stimmiges Ganzes.

Das landschaftliche Narrativ ist nirgends aufgesetzt, sondern aus dem Ort heraus entwickelt und damit allgemein verständlich. Der offene Umgang mit den unterschiedlichen Zeitschichten schafft prägnante Raumbilder. Schotterflächen, die an die Bahngeschichte anknüpfen, ebenso wie speziell angepasste Staudenbeete oder die Prellböcke und Gleisreste, die sich überall im Park verstreut finden. Lediglich die Eingänge und Übergänge in die angrenzenden Stadtteile könnten offener gestaltet sein. Und die angrenzende Bebauung ist zumeist die typische gesichtslose Bebauung durch Bauträger. Über diese Mängel lässt sich jedoch wegschauen.

Das Besondere: seine Gestaltung und seine Nutzungsangebote sind niederschwellig und schließen niemanden aus. In seiner Gesamtheit bildet er die Pluralität der Stadtgesellschaft ab. Zudem ist eine Weiterentwicklung des Parks möglich und auch explizit gewünscht. Ein Park also, der nicht fertig ist und der unterschiedliche Aneignungen verträgt und will. Ein Ort des “weniger Reglementierten” innerhalb unserer üblicherweise hochgradig determinierten und überregulierten Stadträume.

Und so verdient der Park den Namen Bürgerpark im besten Sinne. Bürgerinnen und Bürger haben den Park ermöglicht und sich für ihre Bedürfnisse eingesetzt. Bürgerinnen und Bürger nutzen den Park, eignen ihn sich an, ab morgens bis spät in die Nacht.

Und das ist eigentlich die gute Nachricht.

Architektur und Wasser

Schon mal vorab: die Internationale Gartenschau in Berlin ist unbedingt einen Besuch wert. Denn hier findet sich wirklich herauragende Gartenkunst, und vor allem, immer wieder das perfekte Zusammenspiel von Architektur (gebaut oder gewachsen) mit Wasser. Zum weinen schön. Da macht es nicht eimal etwas, wenn das Wetter nur bedingt mitspielt.

Über Lindenbäume

Dass Münster die Hauptstadt der Fahrradfahrenden ist, wusste ich. Wirklich überrascht war ich aber von den vielen Lindenbäumen in der Stadt. Linden, nahezu überall und reichlich. Die Linde ist ja nicht ganz einfach als Stadtbaum, auch wenn sie sich stadtklimatisch meist gut eignet und die perfekte Bienenpflanze ist. Aber Blattläuse lieben Linden leider auch und der Honigtau, den sie absondern, ist eine ziemlich klebrige und unangenehme Sache: färbt Bodenbeläge, verklebt Bänke, den Autolack und auch die Fahrräder. Doch nichts geht über den betörenden Lindenduft zur Blütezeit im Juni und Juli, der mich immer ganz schummrig im Kopf macht. Wunderbar. Und so spazierte ich durch Münster, staunte darüber, wieviele Fahrradfahrer in eine Stadt passen und wie gemütlich das trotzdem sein kann und landete schließlich auf dem Domplatz mit seinem merkwürdig verbauten und gestückelten, halb romanischen und halb gotischen Dom, dessen Türme etwas zu breit und zu kurz geraten sind. Auf dem Platz einer der größten und schönsten Wochenmärkte, voller Menschen und sehr entspannt trotz Regen. All das gerahmt von Linden – großen und kleinen, alten und jungen als Baumhaine und frei, schier gar wahllos, verteilt als Solitäre, dazu ein altes Natursteinpflaster. Das war so schön, dass ich mir unweigerlich die Frage stellen musste, warum manch neuer Platz trotz aufwendiger Planung so trostlos daherkommt? Neigen wir dazu, alles totzuplanen und  sollten wir bei den Bäumen nicht einfach mutiger sein? Dann tropft es eben.